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Streifende Regulusbedeckung
durch den Mond am 24. April 1999

Erstmals veröffentlicht im Sternkieker 01/2000 von Christoph Petermann

Eines guten Nachmittages im April 1999 rief Hubert Paulus bei mir an und fragte mich, ob ich denn auch nicht vergessen haette, daß wir in zwei Wochen die streifende Regulusbedeckung beobachten wollten.



Die Vorbereitungen

In der Tat, meine Gedanken waren bereits bei anderen Ereignissen. So wurde der 24. April im Terminkalender noch einmal besonders angemarkert. Die Idee war, eine Beobachtungskette zu bilden, aus der wir - mit viel Glück - etwas über das Mondprofil erfahren würden. Wir beschlossen, uns vorher schon einmal zu treffen, um die Sache näher anzugehen. So verabredeten wir uns für einen der nächsten Nachmittage, damit wir die von Hubert Paulus bereits im Voraus ausgesuchten Positionen einmal in Augenschein nehmen konnten. An diesem Nachmittag luden wir noch Stefan Jordan und Norbert Wendel mit ins Auto und fuhren in ein heftiges Graupelschauer. Die Beobachtungskette sollte möglichst senkrecht zu dem Rand der "Schattenlinie" ausgerichtet sein, die diese streifende Bedeckung bildet. Die von Hubert Paulus ausgesuchte Beobachtungsstrecke liegt in dem gedachten Dreieck Blumenthal, Bordesholm und dem Autobahndreieck A7/A215 etwa parallel zur Autobahn A215 etwa 20km südwestlich von Kiel. Auf dieser Strecke haben wir fünf Beobachtungspunkte ausgesucht. Diese sind auch auf der Karte gekennzeichnet. Auf der Karte ist auch die "Schattenlinie" eingezeichnet. Die exakten Positionen haben wir dann schließlich mit einem GPS Empfänger bestimmt.


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Das Ereignis sollte am 24. April 1999 gegen 23 Uhr 50 Ortszeit beginnen und bis es soweit war, gab es eine Menge zu tun. Schließlich sah der Abend des 24. April nicht sonderlich gut aus. Es waren Gewitter angesagt und diese waren auch deutlich im Süden sichtbar. Wir trafen uns um 21 Uhr in der Nähe der Autobahnabfahrt Blumenthal. Hubert hatte wieder ganze Arbeit geleistet und das zur Verfügung stehende 14 köpfige "Personal" auf die Beobachtungsposten verteilt. Die Stimmung war gut, obwohl es nicht allzuweit im Süden immer wieder grandios wetterleuchtete.

Die Technik, die die Mitglieder eingesetzt haben, war ganz unterschiedlich. Jeder hat sich das Instrument seiner Wahl mitgebracht. Ging es zwar in erster Linie um die Bedeckung, so stand doch das gemeinsame Erfahrung im Mittelpunkt.

Ein Teil der Gruppe hat das Ereignis noch spontan in der Nacht in einer bekannten Kieler Pizzera "beraten". Es ist nicht bekannt, ob anstelle aus der Pizza ein Stück heraus zu schneiden, der daneben stehende Laptop leiden mußte...



Beobachtungsbericht des Autors

Hier der Bericht des Autors, der an Beobachtungsplatz 3 plaziert war:

Der Mond verschwindet immer wieder hinter dichten Wolken. Gelegentlich ist auch Regulus auszumachen noch ein gutes Stück vom Mond entfernt.

Ich erreiche um 21.30 Uhr zusammen mit Mario Lehwald die Beobachtungsposition 3. Drei Meter vom Rand des "Wirtschaftsweges" - der zu späterer Stunde wohl eher ein "Alkoholfluchtweg" ist - bauen wir unsere Instrumente auf.

Mario hat einen 20*80 Großfeldstecher, der uns dann gleich einen guten ersten Einduck vermittelt. Ich schraube mein Maksutov 10/100 ("Russentonne") auf die NewPolaris Montierung. Anstelle Okular kommt eine Webkamera mit einem Pentium 133 MHz Laptop zum Einsatz, weil ich das Ereignis mit einem AVI Video aufzeichnen will. Daneben sitzt noch mein 300mm f4 Objektiv vor der Nikon Kamera. Ein bewährtes Duo! Die Wiese stellt sich allerdings als unangenehm feucht heraus, dass wir wieder etwas näher an die Straße heranrücken.

Um 22.15 Uhr ist alles ausgerichtet und auf einmal kommt der Mond auch ganz klar heraus. Regulus ist noch deutlich links oberhalb zu sehen. Ich habe genügend Zeit, um für die WebCam eine sinnvolle Einstellung zu finden, damit einerseits der Mond nicht alles überstrahlt, andrerseits Regulus auch noch deutlich sichtbar bleibt. Im Nachhinein betrachtet, hätte ich mit einen Telekonverter arbeiten sollen, also mit 2000mm Brennweite.

22.50 Uhr hängt eine Wolke vor dem Mond, während es rundherum klar ist. Die Geschwindigkeit, mit der sich die Wolken bewegen, scheint mir unendlich langsam. Im Süden blitzt es immer noch regelmäßig.

Um 23.40 Uhr sind es noch 9 Minuten bis zu der Zeit, zu der nach meinen Xephem - Programm die Bedeckung beginnen soll. Danach soll die Bedeckung für meinen Standort 6 Minuten und 11 Sekunden dauern. Der Laptop beginnt in dieser Feuchtigkeit eigene Wege zu gehen. Ich lasse ihn in der Einstellung, die er gerade für die Kamera benutzen möchte.

Dann um 23.47 Uhr kommt der Mond auf einmal ganz klar heraus und ich starte die Aufzeichnung mit ca. 10 frames/sec. Deutlich ist Regulus zu sehen und wie ihm der Mond immer näher kommt. Ein paar Fotos mit der Nikon...

23.49.43 Uhr; jetzt soll Bedeckungsanfang sein. Nichts. Und auch Mario sieht den Stern noch. Verwunderung, aber eine Minute später ist er weg. Ich schaue gebannt auf das Videobild, das sich gerade irgendwie ändert. Ein paar hohe Schleierwolken ziehen heran, die die Beobachtung mit dem Feldstecher schwierig machen. Ab 23.55.10 Uhr scheint Regulus wieder da zu sein. Einige Minuten später hebt er sich bereits gut vom hellen Mondrand ab und ich stoppe die Aufzeichnung. Ich schraube noch schnell das Objektiv vor die Webkamera und filme die Funkuhr, um später einen Bezug von der PC Zeit zur richtigen Zeit herstellen zu können.

Der Abbau der Instrumente geht schnell und der Mond ist wieder hinter Wolken verschwunden. Um 0.30 Uhr treffen wir uns alle wieder und die Begeisterung schlägt hohe Wellen. Denn alle hatten Ihr Erlebnis. Norbert Wendel mußte allerdings noch einen Landwirt beruhigen, denn man hatte ihm gerade ein paar Tage zuvor zwei Schafe geklaut und er hatte gehofft, mit den Sternfreunden die Schafsdiebe gefangen zu haben.

Um 1.15 Uhr bin ich zuhause, aber es läßt mich nicht ruhig, denn ich muss mir das Video erst mal ansehen. Ich bin begeistert, denn ich kann gleich mehrere Bedeckungen ausmachen.


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Die sechs eingefügten Bilder oben sind aus der Videosequenz entnommen. Den angegebenen Zeiten sollten Sie noch 11.8 Sekunden hinzufügen. Die Aufnahmen sind mit einer Compro PS39 Webkamera entstanden an einem 100mm Maksutov Teleskop mit 1000mm Brennweite. Die Auflösung ist hier lediglich 160*120 Pixel.

Herausgekommen ist eine Menge von Daten, die wir alle gesammelt haben. Da wir gleich mehrere Videos und Tonbandaufzeichnungen haben, war eine Menge zu tun. Stefan Jordan hat alle Daten gesammelt und die AVI Dateien in das MPEG Format gewandelt und auf CDROM "gebrannt". Die Aufzeichnungen sind auch an Wolfgang Rothe in Berlin gesandt worden, der ein tolle Auswertung angefertigt hat. Die vollständige Auswertung habe ich noch nicht gesehen, aber aus dem, was bereits vorliegt, lässt sich bereits erkennen, daß unsere Beobachtung nicht schlecht war. Wir hatten auch Glück, denn in dem nur 80km entfernten Lübeck fiel die geplante Beobachterkette buchstäblich ins Wasser. Es waren dorthin sogar Gäste von weither angereist. Wären wir nur wenige Kilometer südöstlich gestanden, hätten wir keinen Erfolg mehr gehabt.



Wer war wo?

Station 1: Stefan Jordan, Henning von Brandis
Station 2: Hubert Paulus, Björn Voss, Katrin Thielke, Petra Bellmann
Station 3: Christoph Petermann, Mario Lehwald
Station 4: Norbert Wendel, Sascha Fularzik, Barbara Baumgarten
Station 5: Michael Hahn, Andreas Rehn, Dirk Westphal


Zu Guter Letzt

Sollte ein geneigter Leser unsere Auswertungen hier vermissen, so mag er sie bei der GvA Gruppe Kiel anfordern, denn der Umfang würde bei einem Abdruck einen Großteil dieses Heftes füllen. Diesen Artikel finden Sie neben weiteren Themen auch im Internet auf der Homepage des Autors unter www.df9cy.de


© Text: Christoph Petermann




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