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Die Sternwarte der Fachhochschule Kiel

von Bodo Wiebers


Nach der Instandsetzung der Sternwarte war unser Mond natürlich eines der ersten Objekte, die ich mit dem Newton der Fachhochschule aufnahm. Das Spiegelteleskop hatte eine Brennweite von 1,780 mm mit einem Hauptspiegel von 225 mm Durchmesser. Bild 1 zeigt den großen Krater Clavius. Der für heutige Verhältnisse sehr grobkörnige Dia-Film, ein GAF 500, hatte 28 DIN; damals ein Wert, den bisher kaum ein Dia-Film erreicht hatte. Ich musste diesen Film nehmen, um bei der ungenauen Nachführung des Newtons nicht über 2 Sekunden Belichtungszeit hinaus zu kommen.


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Bild 1 - Mondkrater Clavius
am 21.03.1975, 21.55 Uhr, Okularprojektion 25mm Okular, 2 sec. auf GAF 500 - 28 DIN
© B. Wiebers


Die Aufnahme der Mondalpen war dann im Jan. 1975 immerhin schon so gelungen, dass davon eine erste Postkarte für den Verkauf im Planetarium gemacht wurde.


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Bild 2 - Mond Apollo 15 Landegebiet
am 20.01.1975 - Okularprojektion 25mm Okular, 3 sec.
© B. Wiebers


Danach wagte ich mich auch an die Planeten; zuerst wurden sie aber auf den Bildern viel zu klein. Erst mit Hilfe der Okularprojektion gelangen erste, oft schwach belichtete größere Planetenabbildungen. Abbildung 3 (Saturn) war dann schon ein Erfolg. Man kann diese Aufnahmen natürlich nicht mit Bildern von späteren hochempfindlichen Filmen und präzisen Nachführungen vergleichen. Und schon gar nicht mit der digitalen Fotografie und den Möglichkeiten der Nachbearbeitung durch Astro-Programme.


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Bild 3 - Saturn
am 12.02.74 um 20.10 Uhr, Okularprojektion 2 sec.
© B. Wiebers


Komet West, den wir auf Bild 4 über dem Kieler Ostufer sehen, war natürlich ein absolutes Highlight am Himmel. Das Hochhaus im Vordergrund ist das Gebäude der Zahnklinik Kiel. Leider hatte ich im Frühjahr 1976 noch keine Erfahrung mit Kometenaufnahmen machen können, da Komet Kohoutek 2 Jahre zuvor bekanntermaßen enttäuschte. So bekam ich den prachtvollen Kometenschweif nur ansatzweise aufs Foto. Einige Sekunden länger belichtet hätte evtl. gereicht. Beim Fotografieren am frühen Morgen hatte ich einmal sogar Überraschungsgäste - Marion und Norbert Zacharias waren gekommen und konnten mit beobachten und fotografieren.


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Bild 4 - Komet West C1975 V1
von der Sternwarte aus fotografiert
© B. Wiebers


Jupiter war aufgrund seines größeren Scheibchendurchmessers als Saturn ein willkommenes Übungsobjekt; Abbildung 5 zeigt ihn im Dez. 1976. Damals konnte das Foto mit denen anderer aus der GvA mithalten; die elektrische Nachführung hatte das Fernrohr mal für einige Sekunden konstant nachgeführt. Bei anderen Fotos war es ein ständiges Pendeln des Objektes im Okular, 15 sec. in eine Richtung und 15 sec. zurück. Die Nachführung in Deklination geschah dabei noch per Hand.


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Bild 5 - Jupiter
am 9.12.1976 um 23.25 Uhr MEZ, 22 cm Newton, Okularprojektion 2 sec. auf CT 18
© B. Wiebers


Ein Artikel in einer Astrozeitschrift machte mich neugierig - jemand hatte am Fernrohr mit Hilfe einer Filmkamera die Bewegung der Jupitermonde aufgenommen. Also getüftelt und gebastelt und dann im Oktober 1975 eine mechanisch waghalsige Konstruktion an den Okularauszug gehängt. Direkt an den Okularauszug kam mit einem Zwischenring ein Balgengerät, daran auch mit Zwischenring ein 50mm Objektiv und nach einem weiteren Ring dann meine S8-Kamera, eine Nizo S 560. Die war für Zeitrafferaufnahmen ausgerüstet, so dass ich "nur" oben auf der Leiter stehend den Jupiter durch den Kamerasucher für einige Stunden im Bildfeld halten musste. Das Ergebnis war dann aber brauchbar - die Strapaze hatte sich gelohnt. Der Lauf der Jupitermonde war, wenn auch manchmal etwas schwankend, gut zu sehen. Ich konnte den Film im Kieler Planetarium zeigen und sogar das Hamburger Planetarium wollte eine Kopie haben.


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Bild 6 - Nizo S8, Filmkamera für Bewegung Jupitermonde
© B. Wiebers


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Bild 7 - Jupitermonde aufgereiht auf einer Seite, 15 sec.
© B. Wiebers


Die helle Beleuchtung in der Stadt ließ nur Sonnen-, Mond- und Planetenbeobachtung und deren Fotografie zu. Außerdem gelangen noch kurzbelichtete Aufnahmen von hellen Sternbildern wie Orion, Großer Wagen oder Zwillinge (Aufn. 8).


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Bild 8 - Zwillinge, Venus, Saturn
am 24.05.1975 um 22.50 Uhr, Blende 2,8-50 mm, 15 sec. auf 27 DIN
© B. Wiebers


Das Ende für die Sternwarte kam 1988 bei der Sanierung des Gebäudes in der Legienstraße. Die alte Kuppel wurde abgerissen, der Aufbau einer neuen Sternwarten-Kuppel scheiterte aber am Einspruch eines Anwohners.


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Bild 9 - In der Sternwartenkuppel 1978
© B. Wiebers


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Bild 10 - Das Dach der Fachhochschule 1989 kurz vorm Abriss
© B. Wiebers




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