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Bericht der Sternwarte der Fachhochschule Kiel

Bericht für den Sternkieker 4. Quart. 1974
von Bodo Wiebers


Wenn ich von "unserer Arbeit" schreibe, meine ich Herrn D. Arnhold und Herrn E. Riedel. Herr Riedel war letztes Jahr auf das zur Zeit unbenutzte Fernrohr auf dem Dach der Fachhochschule für Technik in Kiel aufmerksam gemacht worden. Nach Gesprächen mit den zuständigen Herren der Schule erhielt er die Erlaubnis, sich um das Fernrohr "zu kümmern".


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Bild 1 - Das Teleskop vor der Renovierung
© B. Wiebers


Das Rohr ist ein Newton-Spiegel mit 225 mm Spiegeldurchmesser und einer Brennweite von 1,780 mm (parall. Montierung auf Betonsäule). Auch ein Gleichstrommotor ist vorhanden. Eine drehbare Kuppel von 3 m Durchmesser mit 3 aufklappbaren Luken dient als Wetterschutz. Leider war durch die längere Nichtbenutzung der Zustand von Kuppel und Gerät nicht mehr gut. Durch den regenreichen Winter mit Stürmen war Wasser eingedrungen, und die Kuppelwand und das Instrument hatten zu rosten angefangen.


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Bild 2 - Etwas später die Montierung mit Schaltkasten
© B. Wiebers


Zu dritt kamen wir mit der Arbeit recht gut voran; der eine oder andere hatte meistens eine günstige Bezugsquelle für Farbe, Abdichtungsgummi, Kleber und anderes Material (oder Ideen zum Andersbauen beim Kabelverlegen, Beleuchtung herstellen usw.). Von der Schule erwarteten wir keine finanzielle Unterstützung. Von Mitte August bis Ende September 73 waren wir mit der Renovierung beschäftigt. Die meiste Zeit nahm das gründliche Entrosten, das Vorstreichen und das völlige Abdichten der Fugen (es waren genietete Bleche) mit einer Spezial-Abdichtmasse in Anspruch.


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Bild 3 - Newton mit Schiefspiegler
© B. Wiebers


Auch bei Dunkelheit wurde im Lampenschein weitergearbeitet; wir wollten ja bald sehen, was das Instrument leisten kann. Die Kuppel haben wir innen in einem matten graublauen Ton gespritzt, um Reflektionen zu vermeiden. Aus alten glatten Gummimatten klebten wir überlappende Abdeckungen auf Luken und Türränder, die keinen Regen mehr durchlassen. Die Spiegel konnten wir in Bergedorf mit einer neuen Aluminiumschicht versehen lassen. Nach ca. 240 Stunden Gesamtzeit war die Sternwarte fast betriebsfertig. Leider fehlten aber noch die entsprechenden stabilisierten Netzgeräte (12 und 24 V) für den Motor. Sie bekamen wir glücklicherweise bald darauf durch einen Bekannten sehr preisgünstig gebaut.


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Bild 4 - die 3 m Kuppel hatte 3 schwere Stahlblechluken
© B. Wiebers


Seitdem ist die Sternwarte nun schon einige Zeit in Betrieb und wir sind der Fachhochschule für die Erlaubnis zur Benutzung sehr dankbar (wir erhielten nach Vorführung der fertigen Sternwarte sogar den größten Teil unserer Ausgaben erstattet). Öffentliche Vorführungen sind aber u.a. aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht erlaubt. Nur der Kieler GvA-Gruppe um Herrn Mewes und den Studenten der Fachhochschule ist die Benutzung der Geräte gestattet.


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Bild 5 - Daten der Sternwarte im Knooper Weg
© B. Wiebers


Als Leitrohr habe ich meinen Refraktor, 60 mm, 700 mm Brennweite, auf dem großen Rohr mit halbkreisförmig ausgesägten Holzhalterungen und Spannbändern befestigt. Da auch hier in Kiel das Wetter selten mit den Beobachtungswünschen übereinstimmt, waren es dieses Jahr noch nicht sehr viele Abende, die wir dort sein konnten. Die Lage der Sternwarte mitten im Stadtinneren ist natürlich nicht günstig, trotzdem haben wir schon einige brauchbare Aufnahmen machen können. Wir photographieren mit Spiegelreflexkameras und haben uns dafür Adapterringe aus Messing gedreht, damit wir direkt am Fokus aufnehmen können. Ein spezielles Verlängerungsrohr (eigentlich 2 Rohre), das durch ein langes Gewinde weit auseinandergeschraubt werden kann, ist innen mit einer Befestigung für Okulare versehen worden. Dadurch konnten wir Mond- und Saturnaufnahmen mit Hilfe der Okularprojektion machen. Bei Vergrößerungen bis ungefähr 500-fach und einer Brennweite bis zu 30 m sind auf den Planetenscheibchen gut Einzelheiten zu erkennen.


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Bild 6 - Bau des Kieler Fernsehturms im August 1974
Fokalaufnahme mit 225 mm Newton
© B. Wiebers


Über unsere bisherigen Erfahrungen beim Photographieren, beim Ausprobieren der verschiedenen Filme (z.B. Kodak 103 a-F, 103a-O usw.) und über die Justierung der Spiegel werden wir gern in einem der nächsten Hefte berichten, da wir durch Urlaub und Bundeswehrzeit im Moment nicht zusammentreffen.




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